Eine Gemeinde auf dem Weg

Umkehr ist Befreiung

Umkehr, liebe Schwestern und Brüder, was heißt das?

Was heißt das in unserer Zeit und in unserem Leben?

Wo brauchen wir die Umkehr ?

Ich erinnere mich, liebe Schwestern und Brüder, an den Beichtspiegel, den wir als Kinder bekamen. Es sollte eine Hilfe sein, aber er war eine Norm, er hat uns in Zwänge geführt. Wir haben nach Stichworten abgehakt, hast du unandächtig gebetet, Unkeusches gedacht und so weiter und sofort.

Die Beichte haben wir vielfach als Zwang erlebt, als Pflichtübung, nicht als Befreiung.

Umkehr aber ist Befreiung, liebe Schwestern und Brüder.

Auch das Sakrament der Beichte soll Befreiung sein. Nicht umsonst wird es das Sakrament der Versöhnung genannt, der Versöhnung zwischen Gott und den Menschen. Versöhnung mit Gott, aber auch mit anderen Menschen und letztlich soll es auch der Versöhnung mit uns selber dienen, die wir uns oft am schwersten tun, uns selber zu verzeihen.

Umkehr, dass heißt, die alte Richtung aufgeben, den alten Weg verlassen. Den Weg, der in die Knechtschaft führt, die Gefangenschaft, in die Sklaverei, den Weg der Sünde, der Absonderung.

Umkehr ist ein Schritt in die Freiheit, Rückkehr ins Leben, Auszug aus dem Verderben, aus allem, was uns unfrei macht und knechtet.

Umkehr, das bedeutet, all die Wege zu verlassen, die uns unfrei machen, die uns trennen von Gott, von den Menschen und von uns selber.

Was sind diese Wege, die uns freimachen und worin bestehen die Wege, durch die wir gefangen werden?

Eine Hilfe können durchaus die 10 Gebote sein. Sie geben uns praktische Hinweise, worin die Hauptfallstricke bestehen.

„Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben und achten aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele und deinem ganzen Gemüt und deinen Nächsten wie dich selbst“, so hat Jesus alle Gebote zusammengefasst und auf einen einfachen und zentralen Nenner gebracht.

Das, wozu uns Gott auffordert durch seinen Sohn, ist, den Weg der Liebe zu gehen, Gott zu lieben und unseren Nächsten wie uns selbst.

Gott lieben, den Nächsten lieben, auch uns selbst lieben, das ist das ganze Programm und dort wo wir nicht lieben, wo wir Gott nicht lieben, die Menschen nicht lieben, uns selbst nicht lieben, da beginnt die Gefangenschaft.

Konkreter wird uns das durch die 10 Gebote aufgeschlüsselt.

Wir sollen Gott achten, ihn ehren, Ehrfurcht vor seinem heiligen Namen haben, den Sabbat heiligen.

Das sind die ersten 3 Gebote. Sie drücken aus, dass wir bei Gott sein sollen, dass wir auf seine Liebe antworten dürfen. Wer Gott liebt, der achtet ihn. Der ehrt ihn und der ehrt auch den Sabbat, diesen besonderen Tag in der Woche, der Gott gehört und in dem unser Leben auf ihn ganz besonders ausgerichtet sein soll.

Am siebten Tage sollst du ruhen, ruhen, das heißt nicht nur nichts tun, sondern bei Gott ausruhen, uns bei jenem bergen, der uns geschaffen hat. Uns auch von seiner Liebe neu auffüllen lassen, ganz besonders in seiner Nähe sein.

Und dann die Gebote, die dem menschlichen Miteinander ganz besonders gewidmet sind:

Du sollst Vater und Mutter ehren, dass du lange lebest und gesund bist.

Du sollst nicht töten, du sollst nicht Unkeuschheit treiben, du sollst nicht stehlen, du sollst kein falsches Zeugnis geben wider deinen Nächsten, auch anders ausgedrückt, du sollst nicht lügen.

Und du sollst achten deines Nächsten Hab und Gut und schließlich deines Nächsten Weib oder Ehepartner.

Das sind alles Gebote der Ehrfurcht, der Achtung vor anderen Menschen. Gebote, die uns Hinweis geben, dass wir nicht in das Leben anderer eingreifen sollen. Ehrfurcht, nicht nur vor Gott, sondern auch vor den Menschen, vor ihrem intimsten Raum. Nicht nur vor ihrem Besitz, sondern auch vor allem, was sie lieben, was ihnen kostbar ist.

Da, wo wir gegen Gott und die Menschen verstoßen, entsteht Trennung, entsteht Spaltung. Da geht etwas auseinander, das macht uns unfrei. Es wirkt zerstörerisch, nicht nur für den, der vielleicht Unrecht, das wir vielleicht tun, zu ertragen hat, sondern vor allem für den, der selbst dieses Unrecht tut.

Deshalb ist die Botschaft:

Kehrt um, kehrt um, das Himmelreich ist nahe. Verlasst die alte Welt, lasst euch auf die neue Welt ein, auf jene Welt, die Jesus Christus, unser Herr gestiftet hat.

Jede Missachtung Gottes ist Sünde, jede Missachtung von Menschen ist Sünde, jede Missachtung von uns selbst ist Sünde.

Wir achten nicht das Wunderbare, das Gott gegeben hat, wir treten es mit Füßen.

Jede Lieblosigkeit ist Sünde, ist Schuld, bedeutet Trennung, Absonderung, Ausgrenzung.

Wir können aus dem Geist der Liebe leben oder aus dem Ungeist des Egoismus. Wir können greifen oder uns schenken.

Wir können aufbauen oder zerstören.

Ichsucht macht uns gefangen. Bereitschaft zu dem Du, Hingabe, Bereitschaft zur Liebe, das macht uns frei.

Wenn Menschen nur um sich kreisen, dann sind sie Gefangene, vielleicht größere Gefangene als jene, die in Haft sind. Sie sind sich selbst Gott geworden. Sie selbst sind das goldene Kalb, wir sind das goldene Kalb, um das wir tanzen.

Wir haben uns selbst zum Gott gemacht.

Es ist wichtig, dass wir uns auch wieder vom Thron stürzen, zu erkennen: Nicht ich bin der Mittelpunkt der Erde, es ist Gott. Nicht um mich soll sich alles drehen, sondern um Gott, um unseren Herrn und Heiland. Er soll die Mitte meines Lebens sein. Auf ihn soll mein Leben ausgerichtet sein, ihm will ich dienen und den Menschen.

Geht es uns nicht oft nur um uns selber, nehmen wir uns nicht meistens zu wichtig?

Zum Beispiel mit unseren vielen Empfindlichkeiten, wenn wir darüber klagen, wie schlecht doch die Menschen seien, wie sehr wir doch enttäuscht worden seien, dass man den Menschen nicht vertrauen könne und so weiter und sofort. Wer kennt nicht dieses Gejammere?

Und wie oft stimmen wir selber darin ein.

Anzeichen, scheinbar von der Schlechtigkeit der Welt, aber im Grunde Anzeichen, von unserer eigenen Egoverhaftetheit.

Wir sind uns nicht darüber im Klaren, dass Gott gerade die Sünden der anderen nimmt, um uns zur Liebe herauszufordern.

Liebe deine Feinde, tu Gutes denen, die dich hassen, bete für die, die dich verfolgen, das sagt Jesus.

Antworte auf die Schuld des andern mit Liebe und klage nicht an.

Sind wir nicht oft wie Ankläger unserer Brüder geworden, die mit dem Widersacher sie anklagen bei Tag und bei Nacht, vor Gott und dem Herrn?

Deuten wir nicht oft mit den Fingern auf die anderen?

Und wir dünken uns auch besonders gut, wenn wir uns über sie erheben und demonstrieren, wie schlecht doch diese Welt sei, anstatt zu erkennen, dass wir gerufen sind, auf die Schlechtigkeit dieser Welt mit unserer Liebe zu antworten.

Nicht die Schuld der andern ist das Problem, sondern unsere eigene Verhärtung, unsere fehlende Bereitschaft zu vergeben, den Menschen, der uns weh getan hat, dennoch zu lieben und den zu achten, der uns Schmerz zugefügt hat und den noch in seiner Menschenwürde zu sehen.

Jesus hat in dem Zusammenhang klare Worte gesprochen. In seinen Bildern vom Endgericht unterscheidet er einmal zwischen jenen, die Sünder sind und nicht umgekehrt sind und jenen, die gerecht waren.

Und in einem anderen Bild spricht er von denen, die ihm in den Geringsten begegnet sind, im Nackten, im Bekleideten, im Gefangenen, im Obdachlosen, im Hungernden.

„Ich war hungrig und ihr habt mir zu Essen gegeben“. Oder: „Ich war hungrig und ihr habt mir nicht zu Essen gegeben“.

Und Jesus stellt klar, dass nicht-lieben ebenso verhängnisvoll ist wie sündig leben.

Die nicht lieben, stehen auf der Seite der Kriminellen, der Verbrecher, die bis zum Ende diesen Weg weitergehen.

Nicht lieben ist genauso ein Weg der Sünde wie Verbrechen begehen.

Nicht lieben ist vor Gott so schlimm wie Raub, Vergewaltigung und Mord.

Nicht lieben ist Morden der Seele, führt zu Gefangenschaft.

Die Umkehr, die Jesus Christus meint, ist immer nicht nur eine Umkehr vom Bösen, sondern immer auch eine Umkehr zum Guten, eine Umkehr zur Liebe.

Diese Umkehr, liebe Schwestern und Brüder, die wünsche ich mir und uns allen.

Möge sie uns ganz besonders in dieser Fastenzeit gelingen, in Vorbereitung auf die Auferstehung unseres Herrn.

Br. Jan Hermanns

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