Eine Gemeinde auf dem Weg

Der Mensch auf der Suche nach dem Sinn,

Wie wir unsere Berufung und ein erfülltes Leben finden können

„Unruhig ist meine Seele, bis sie ruhet in Dir“, hat Augustinus gesagt, dieser Suchende, der nach vielen Irrwegen Gott begegnet ist und die Speise entdeckt hat, nach der es sein Inneres verlangte.

Es ist auch die Speise, nach der wir suchen. Liebe. Gott. Zeitliche Begegnung. Ewige Vollendung.

Wir sind gefangen, solange wir nur um uns selber kreisen. Wir werden frei, wenn wir uns verschenken.

Wir streben nach Begegnung. Unser Ich vollendet sich im Du des andern. Es wird frei, wenn es sich einlässt auf den anderen. Meine Liebe wird frei, wenn sie den Weg zum andern sucht. Mein Ich wird frei, wenn es sich loslässt und verschenkt.

Hunger nach Gott

In jedem Menschen ist, ob er es wahrnimmt (wahrhaben will) oder nicht, ein Hunger nach Gott. Ein Streben nach dem Ewigen, ein Verlangen nach Transzendenz. Es kommt nicht vom Kopf, von der Frage nach unserer Herkunft. Es kommt aus der Tiefe unserer Existenz. Es ist ein Seinsbedürfnis, so real wie das Seinsbedürfnis der menschlichen Liebe. Aber es kann betäubt und verdrängt werden, so wie das Bedürfnis nach Liebe betäubt und verdrängt werden kann.

Das existentielle Vakuum, der existentielle Hohlraum in uns, kann nicht allein durch menschliche Liebe gefüllt werden. Eine gewisse Leere bleibt immer, auch dann, wenn wir menschlich glücklich sind. Es fehlt uns etwas, bis wir Gott gefunden haben. Dann weiß die Seele: Sie ist am Ziel. Sie hat die Nahrung gefunden, die sie gesucht hat. Sie ist auf den Geschmack der ewigen Speise gekommen, die unseren inneren Hunger stillt.

Die Seele ist dorthin gelangt, wo sie herkommt. Sie hat heimgefunden. Sie ist zurückgekehrt ins Vaterhaus. Sie ist wieder zu Hause, dort, wo sie her kommt. Wie der Vogel im Nest, so ist die Seele bei Gott.

Das ewige Verlangen
Freilich ist unser Verlangen nicht für immer gestillt, wenn wir Gott begegnet sind. Es ergeht uns mit Gott nicht anders als in der menschlichen Begegnung. Die Liebe ist wach geworden, aber sie bedarf immer neuer Begegnung und Auslieferung, um lebendig zu sein.

Wenn die Seele an ihrem Ziel angelangt ist – beim lebendigen Gott, so steht sie am Anfang ihres Weges. Ihr ergeht es wie dem Liebenden mit der Geliebten. Wenn die Liebe entflammt, beginnt ein Weg, der sein Fundament durch das „Ja zum Miteinander“ bekommt. Das ist bei Gott ebenso wie unter den Menschen.

Wir haben gefunden. Und doch sind wir unterwegs zu dem ewigen Ziel.

Der Bund mit Jesus
Ein Liebender hat das Verlangen, mit der Geliebten den Bund fürs Leben zu schließen – „bis dass der Tod euch scheidet“. Wer Gott erfahren hat und Ihn liebt, den verlangt danach, den ewigen Bund einzugehen, der jetzt beginnt und über den Tod hinausgeht.

Jesus ist in diese unsere Welt gekommen, um mit uns diesen Bund einzugehen. Er hat den Bund mit dem Vater besiegelt, durch Sein Blut. Damit hat Er uns die Vollmacht erworben, wieder Kinder Gottes zu werden. Wir brauchen nicht mehr Kinder dieser Welt zu sein, sondern dürfen, obwohl noch unvollkommen, schon jetzt zur himmlischen Familie gehören.

Das ist keine schöne Theorie. Das ist meine Erfahrung. Seit ich mich auf diesen Bund existentiell eingelassen habe, seit ich mich auf Jesus eingelassen habe, bin ich zuhause, obwohl ich noch nicht der Fremde dieser Erde bin. Meine Seele ist an ihr Ziel gelangt, obwohl sie noch unterwegs ist.

Hingabe
Der Bund mit Jesus ist ein Liebesbund. Ein Liebesbündnis. Liebende verbünden sich miteinander.

Liebende vertrauen einander ihr Leben an.

Ich darf mein Leben Jesus anvertrauen. Ich darf es von Ihm führen lassen. Er, der Gute Hirte, weiß, wonach es meiner Seele verlangt. Er kennt meine Seele (mich) [besser] als ich mich selbst kenne. Er kennt die sicheren Auen, in denen ich leben kann. Er führt mich, durch die Sumpfgebiete des Lebens hindurch, wenn ich Ihm nachfolge und Ihm nicht wie ein bockiger Hammel davonlaufe.

Jesus kennt meinen Weg, und Er kennt mein Ziel. Er weiß, auf welchen Wegen mein Leben die Erfüllung erlangt, die es sucht. Er kennt meine Gaben. Er kennt den Auftrag meines Lebens. Er weiß, wie mein Leben zur Vollendung gelangt. Ihm kann ich mich anvertrauen.

Berufung
Ich kann Gaben entfalten. Ich vermag es, meine Fähigkeiten einzusetzen und Gutes zu tun. Meine Berufung aber kann ich nicht finden. Sie muss mir gezeigt werden.

Meine Berufung wird frei, wenn ich mich rufen lasse.

Solange ich nur das Eigene suche, werde ich meine Berufung nicht finden. Sie wird mir verborgen bleiben, obwohl ich ihr nachjage.

Meine Berufung wird frei, wenn ich frage: Jesus, wo brauchst Du mich? Wie kann ich Dir dienen? Wo kann ich mich Dir und den Menschen hingeben? In welcher Weise für Dein Heilswerk bereit sein?

„Nimm mich, Jesus, wo Du mich brauchst. Setze Du mich ein. Ich will Dein Werkzeug sein.“ Das ist der Schlüssel zur Berufung.

Eigene Pläne loslassen, um offen zu sein für den Plan Gottes mit mir.
Der Plan Gottes mit mir aber ist keine Fremdbestimmung. Es ist der verborgene Plan, der eingeschrieben ist in die Tiefen meines Seins. Es ist das, wonach es meiner Seele verlangt.

Der Friede der Seele
Meine Seele weiß, was sie braucht. Ihr Verlangen ist anders als das Verlangen meines Fleisches. Wenn mein Fleisch Nahrung bekommt, bin ich oberflächlich befriedigt, aber schnell wieder leer. Wenn meine Seele Nahrung erhält, bin ich erfüllt. Friede ist in mir.

Wir jagen immer wieder unseren kurzlebigen Befriedigungen nach und enden doch immer wieder in innerer Leere und Einsamkeit. Der Trugschluss hat die Folge, dass wir enttäuscht werden. Unsere Täuschung wird aufgedeckt.

Lernen wir daraus, die eigentliche Speise zu suchen. Es ist die Kost der Liebe, die von Gott kommt.

Gehe den Weg der Liebe. Gehe mit Gott. Lasse Dich von Jesus führen. Gehe den Weg, den Gott für Dich bereitet hat, von Ewigkeit her. So wirst Du den Frieden Deiner Seele erlangen.

BR. Jan Hermanns

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