UNSER GLAUBE BESIEGT DIE WELT

Frankfurt am Main ein gefährliches Pflaster. Und dann ohne Wohnung nach Frankfurt?

Martin R. von der Emmausbewegung hat für sich ein Sabbatjahr begonnen und entschieden, während dieser Zeit „auf der Straße“ zu leben. Er schreibt seine Erfahrungen nieder und hier ist sein erster Bericht:

Beim Emmaus-Pfingst-Treffen 2024 in Hünfeld bin ich mit meinem Bollerwagen ganz lieb
angenommen worden und mit noch mehr Liebe ausgesandt worden.
Ja, einfach so, freiwillig, in diese deutsche Großstadt mit einer der höchsten Kriminalitätsraten zu
reisen, um dort „Platte zu machen“ – das klingt schon nach einem etwas verrückten Vorhaben!
Für mich ist es ein Akt der Nachfolge. Schließlich wusste Jesus auch nicht immer, wo er einen Schlafplatz finden würde (vgl. Matt. 8,20).
Am Pfingstmontag, dem 20. Mai, komme ich abends auf der Zeil, der Haupteinkaufsstraße, an.
Die Polizei verweist mich zur Übernachtung auf die B-Ebene am Eschersheimer Tor.
Dort betreibt der Frankfurter Verein eine Notschlafstelle. Seitdem habe ich dort übernachtet.
Wir liegen zu etwa 40 Personen (30 m/10w) in einem großen Saal. Abends um 21 Uhr ist Einlass
und morgens um 5:30 Uhr müssen wir raus. Nachts bleibt das Licht an, die 4 oder 5 Angestellten in schwarzer Berufskleidung können die Schlafenden überwachen. Nach mehr oder oft auch weniger Nachtschlaf geht mein Tag dann um 7:00 Uhr mit einer Heiligen Messe und anschließendem Frühstück in der Liebfrauenkirche an der Hauptwache weiter.
Der Bollerwagen begleitet mich den ganzen Tag. Vormittags und am Nachmittag sitze ich so lange wie möglich in der Fußgängerzone. Hier bete ich und gehe dann auf Menschen zu, die sich in der Nähe aufhalten. Es haben sich schon einige Gespräche und im Anschluss auch Gebete ergeben.
Selbst bei den Fahrten mit U- oder S-Bahn wird der Text „UNSER GLAUBE BESIEGT DIE
WELT“
Anlass für kurze Gespräche. Dazu hilft sicher auch, dass Kamillo das Bibelzitat auf wunderschöne Weise geschrieben hat. Es hat mich zu Beginn viel Kraft gekostet, die rechte Orientierung besonders im Verkehrsnetz der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) zu finden.
4 verschiedene Aufzüge befinden sich allein an der Station Hauptwache. Die Aufzüge führen jeweils in unterschiedliche Ebenen B, C, D oder auch zum Ausgang (A). Mittags bekomme ich das Essen meist in der Weserstr. 5, eine Station der evangelischen Diakonie.
Hier kann ich auch duschen und schon mal ein Stündchen Schlaf nachholen. Zum Abendessen kann ich entweder etwas vom Frühstück aufsparen oder ich habe zusätzlich beim Aldi etwas gekauft. Frische Nahrungsmittel gibt es am besten bei der ADA-Kantine (Der Name kommt historisch gesehen her von der Akademie der Arbeiter.). Hier wird vegetarisches Essen serviert.
Zum Stundengebet komme ich recht regelmäßig, mein Handy habe ich in der Regel laden können.
Nachdem ich mit der Organisation des Tages leichter klarkomme, bleibt auch noch mehr Zeit für die Anbetung. In Liebfrauen ist das Allerheiligste beständig ausgesetzt. Zwei Mal die Woche beten wir abends den Rosenkranz (Fatima und Deutschland betet).
Bei den Kontakten zu den Leuten von der Übernachtungsstelle und von der Obdachlosenszene
insgesamt möchte ich Fl. besonders hervorheben. Er kommt aus Rumänien, war schon mal 10 Jahre in Großbritannien, spricht deswegen super Englisch und hat mittlerweile einen kleinen Job als Reinigungskraft gefunden. Wir haben uns gut auch über geistliche Themen unterhalten können. Für seinen Job hatten Corina und ich gebetet.
Eine gewisse Nähe gibt es noch zu einem jungen Mann aus Litauen und einigen anderen.
Besonders schön war auch samstags ein Einsatz mit den Mutter Theresa Schwestern. Wir sind zu
neunt losgezogen, 2 Schwestern und 6 junge Leute waren dabei.
Im Rotlichtviertel am Bahnhof angekommen haben wir wieder gebetet und dann wurden die
Nahrungsmittel verteilt. Ich hatte keine Nahrungsmittel mit, stattdessen habe ich gleich Gebet angeboten. Ich glaube, dass durch die ganze Aktion eine besondere geistliche Offenheit bei den Leutchen von der Szene da war. Denn bei den Gebeten, die ich dort verrichten durfte, bin ich so richtig ein bisschen in eine Salbung hineingekommen.
Jesus ist im Tabernakel zugegen. Er wartet darauf, dass wir ihn zur Anbetung besuchen.
Aber vielleicht kann man sagen, dass Jesus noch mehr bei den Abhängigen und Leidenden, den
Ausgestoßenen und Verzweifelten auf uns wartet.
Er – in ihnen – möchte ja die Veränderung, die Befreiung von der Sucht und das neue Leben im
Glauben. Durch meinen Weg in die Obdachlosigkeit habe ich es riskiert, „in den Schuhen der Obdachlosen“ zu gehen, ich habe wie oben beschrieben etliche praktische Schwierigkeiten auf mich genommen und das ist ja auch ganz lieb gemeint,
dennoch: das eigentlich Wichtige ist die geistliche Nähe zu den Leidenden, die Gott schenkt.
Da kann ich noch sehr viel dazu lernen. Das ist mir durch das neue Jan-Buch so richtig bewusst
geworden. Der Weg hat also gerade erst begonnen!!!

Autor: Martin R.

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