Eine Gemeinde auf dem Weg

Glied am Leib Christi

Lasse Dir durch nichts den Zugang zum Herrn verstellen, schon gar nicht durch Menschen, die in ihrem Glaubensleben versagt haben. Es gibt schlechte Christen, die diesen Namen nicht verdienen, und es hat zu jeder Zeit genügend Vorfälle gegeben, in denen Menschen der Kirche ihrem Mitmenschen zum Ärgernis geworden sind. Doch nichts gibt uns das Recht, wegen dieser Versagen uns ganz von der Kirche abzuwenden und „die Kirche“ in Bausch und Bogen zu verurteilen.

 

Wer bist Du, dass Du glaubst, den ersten Stein werfen zu dürfen (vgl., Joh., 8, 1-11).  Bist Du so ohne Sünde, dass es Dir zusteht, den Stab über andere zu brechen?

Hüte Dich davor, das zu tun, denn Du könntest dabei in eine Falle des Teufels laufen. Der Widersacher hat ein Interesse daran, dass wir uns von der Kirche abwenden und in unserem Hochmut glauben, allein Kirche sein zu können, mit unserer Beziehung zum Herrn. Wer sind wir, dass wir meinen, die anderen Geschwister einfach abschieben zu können, die der Herr so wie die Sünder liebt, trotz der Schuld, die sie auf sich geladen haben?! Hüten wir uns davor, selber Pharisäer zu werden, indem wir uns über die Pharisäer der Kirche ereifern, bei denen wir die Splitter im Auge erkennen, ohne unsere eigenen Balken zu sehen (vgl., Matt 7,1-5).

 

Der Widersacher hat ein Interesse daran, dass Du Dich vom Volk Gottes fern hältst und Dich als etwas Besseres dünkst. Denn Jesus selbst hat die Kirche gegründet, Gottes heiliges Volk, die christliche Gemeinde, und es ist Sein heiliger Wille, dass wir darum ringen, eins zu werden, so wie es der Apostel Johannes beschreibt (vgl., Joh., 17).

Jesus will nicht nur Deine Erlösung. Es ist Ihm zu wenig, wenn Du eine gute Beziehung zum Vater im Himmel hast. Ihm geht es auch um Deine Brüder. Er will, dass wir Menschen miteinander zum Heil gelangen, und darum hat Er uns einander anvertraut.

Deswegen hat Er die christliche Gemeinde gegründet: Damit wir uns miteinander auf den Weg begeben, auf den Weg ins Himmelreich. Und dass wir einander dienen im Fortschreiten im Glauben.

 

Wer von uns ist so weit, dass er der Hilfe anderer im Glaubensleben nicht bedürfte? Sind wir nicht alle auf Brüder und Schwestern im Herrn angewiesen, damit wir im Glauben wachsen? Sowohl auf jene, die uns helfen, als auch auf solche, denen wir helfen dürfen, was auch unserem eigenen Glauben dient.

 

Wir sollen Glieder am Leib Christi sein (vgl., 1. Kor. 12, 12ff). Jeder von uns ist ein Glied am Leib des Herrn. Und so wie die Glieder sich einfügen lassen in den Leib, damit er in Harmonie leben kann, so sollen wir uns einfügen lassen in den Leib Christi. Jedes Glied soll auf Christus hingeordnet sein, und doch soll es bereit sein, sich mit den anderen Gliedern zusammenfügen zu lassen, damit der Leib nicht zerrissen ist, sondern eins.

Leib Christi sollen wir sein. Das ist eine große Aufgabe. Das ist die große Vorwegnahme dessen, was am Ende der Zeit anbrechen wird, wenn Gott die Seinen ruft und die Erde zuende ist (die Welt) und der Himmel, das Reich Gottes, beginnt. So sollen wir schon jetzt eins werden in der Liebe Gottes.

Das ist nicht leicht. Das ist im Gegenteil sehr schwer. Weil wir alle noch sehr unvollkommen sind, uns aber gerade durch diese Unvollkommenheiten und Unreinheiten gegenseitig verletzen und schaden. Und doch ist es unsere große Aufgabe, einander auszuhalten auch in diesem Versagen, so wie Jesus uns aushält,  und so miteinander zu reifen für die ewige Ernte, die schon in diesem Leben beginnt.

 

Strebe danach, Glied am Leibe Christi zu sein. Suche christliche Gemeinschaft, Menschen, zu denen Du gehörst. Suche Christen, mit denen Du ganz konkret Leib Christi bilden kannst. Suche die Gemeinde des Herrn, in die der Herr Dich berufen hat oder beruft, und bitte Ihn, sie Dir zu zeigen, wenn Du sie nicht erkennen solltest.

Diene dem Herrn in Freude, und in Freude auch Deinen Brüdern. Begebe Dich in die christliche Gemeinde, in die der Herr Dich geführt hat. Bringe Dich mit Deinem Glaubensleben ein und habe Anteil am Glaubensleben Deiner Brüder und Schwestern.

Bemühe Dich darum, mit den anderen im Glauben zu wachsen. Sie brauchen Dich und Deine Gaben, die der Herr Dir geschenkt hat.

Genauso aber braucht Du sie. Sie gehören Dir und Du gehörst ihnen, miteinander aber gehört ihr Christus.

Vertraue darauf, dass der Herr Sich Dir auch durch Deine Brüder offenbaren wird. Er spricht nicht nur durch Sein Wort zu uns und über unsere persönliche Glaubensbeziehung, sondern auch durch unsere Brüder und Schwestern. Werde hellhörig, was Gott Dir durch sie sagen will. Und hüte Dich vor dem Hochmut, sie abzulehnen und allein Deiner eigenen Offenbarung zu vertrauen.

So wichtig es ist, dass Du Deine persönliche Beziehung zum Herrn pflegst, so wichtig ist es auch, dass Du gemeinsam mit anderen im Glauben wächst, und Dich mit ihnen in den Dienst nehmen lässt. Das bringt nicht nur Euch einander näher, sondern miteinander kommt Ihr Christus näher. Gemeinsames Gebet, gemeinsamer Dienst helfen Dir, Dich von Dir selber zu lösen und Dich hinzugeben für Gott und die Menschen. Die Hingabe aber macht uns ganz frei.

Lerne es, Dich zu verschenken, an Gott und die Menschen, so wie Jesus Sich an Dich verschenkt. Lerne es, zu geben, Dich zu geben, Dich hinzugeben, ungeachtet, ob Du es zurück bekommst. Trage die schwachen Glieder am Leibe Christi mit und lasse sie nicht fallen, so wie auch Du willst, dass Du nicht ins Verderben fallen gelassen wirst.

Jesus hat Dir Seine Solidarität geschenkt. Schenke nun Du auch Ihm Deine Solidarität im Mühen um Deine Brüder. In dieser Solidarität aber wirst Du wachsen im Herrn. Je mehr Du aber im Herrn wächst, desto weniger wirst Du der Macht der Finsternis ausgeliefert sein.

 

 

Die christliche Gemeinde ist, trotz all ihrer Schwächen, die wir nicht leugnen dürfen, der Ort, an dem Du wohl am meisten geschützt bist vor den alten Kräften, die Dich vernichten wollen. Es hilft uns allen, im Miteinander auf den Herrn zu schauen. Und wir bekommen Trost und Hoffnung, einer vom anderen, wenn wir das tun.

Gerade in schwachen Stunden, in denen wir dazu neigen, uns gehen zu lassen oder gar aufzugeben, wird uns die christliche Gemeinde ermutigen, wieder auf den Herrn zu schauen. Wir sehen auch die Not der anderen, erfahren aber auch ihr Zeugnis, das uns aufrichten kann.

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