Eine Gemeinde auf dem Weg

Führe mich neu, Vater

Vater, ich habe deine Führung verloren. Du bist mir aus dem Blick geraten. Irgendwie bist du fern. 

Bin ich fern von dir? 

Ich spüre nichts mehr von dir. Verzeih, Vater, denn ich habe mich von dir weg begeben, habe mehr meine eigenen Wege gesucht, meiner eigenen Führung vertraut, zu mir selbst geschaut und nicht zu dir, verzeih.

Teils bin ich jetzt ratlos.

Deinen Willen zu ermessen vermag ich nicht mehr so ganz. Deine Führung fehlt mir. Deine führende Hand, die Ruhe deiner Nähe, die Geborgenheit deines Weges. So bin ich neu im Dunkel, so taste ich neu nach dir, der du die Sehnsucht meiner Seele bist. Wissend, dass mir die ganze Welt nichts nützen würde, erlitt ich Schaden an meiner Seele. 

Zeig mir den Weg, Vater, führ mich aus den ungelösten Fragen meines Daseins. Ich vertraue dir, dass du es tust!

Herr, lehre mich sterben

Vater lehre mich sterben. Nicht erst im Augenblick meines Todes, sondern schon jetzt. 

Lehre mich zu verlieren, alles zu verlieren. Besitz, die materiellen Sicherheiten, Macht, Anerkennung, Erfolg, Prestige, Menschenfreunde, mein Leben. Denn erst dann kann ich auferstehen. 

Vater, du weißt wie unreif ich noch bin, wie abhängig. Abhängig von den sogenannten Möglichkeiten des Lebens. Du weißt, wie sehr ich mich noch an diese Sicherheiten klammere, die einst in Staub und Asche zerfallen werden, denn ich bin ein Tor, ein Narr. 

Hilf mir zu verlieren, damit ich gewinnen kann.

Lass mich den Egoismus verlieren und die Liebe gewinnen. Lass den alten Adam sterben und den neuen Menschen auferstehen. 

Tilge Luzifer in mir und lass Christus immer mehr Wirklichkeit in mir werden. Gib mir den Mut zum Sterben, damit ich leben kann. Was muss ich fürchten, Vater, wenn du da bist, was kann ich verlieren, wenn ich dich gewinnen kann?

Gib mir die Kraft, mein Leben hinzugeben für meine Freunde und auch für meine Feinde. 

Lass den Tod, das Sterben, zum Zeichen deiner Auferstehung werden!

Der du den Tod besiegstChristus, verzeih mir, dass ich nicht traurig bin beim Gedanken an deinen Tod, dass ich so fröhlich bin, innerlich frei. 

Es ist die Freude, Christus, dass der Tod besiegt ist, dass dein Geist stärker ist als alle Gewalt, dass die Liebe die Ketten sprengt. 

Christus ich danke dir für den Geist, den du gesandt hast. Ich danke dir, dass du uns nicht als Waisenkinder zurückgelassen hast, sondern uns deinen heiligen Geist gesandt hast. 

Dafür danke ich dir, auch, dass du die Liebe in den Meinen weckst, dass das Leben stärker ist als der Tod, die Erfahrung der Menschlichkeit stärker ist als der Sog der Sucht.

Danke für einen bestimmten Menschen, bei dem der Wille zum Leben den Sieg davon getragen hat!

Danke für die Kraft, die in M. aufgebrochen ist, für die Kraft, die ihr alle Ängste nimmt, die sie zuversichtlich werden lässt. Einfach vertrauen der Glut im Innern, dem Geist, der führt. 

Danke, Christus, dass du mich erkennen lässt, dass ich dieser Kraft vertrauen darf, mehr als allen Kräften der Erde, mehr als allen Sicherheiten, dass nur du durch das Leben führst. 

Lass mich den Kleinmut überwinden, stärke uns alle mit deinem Geist, der dich so stark werden ließ, dass du selbst Ja zum Kreuz zu sagen vermochtest. Du, mein Jesus!

Br. Jan Herrmans

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