Eine Gemeinde auf dem Weg

Das Geheimnis der Menschwerdung Gottes

wollen wir heute betrachten.

Es ist die, menschlich gesehen, widersinnigste Geschichte, die man sich eigentlich gar nicht ausdenken kann. Dass da Gott selber Mensch geworden sein soll. Dass er seinen Sohn auf diese Erde geschickt haben soll, um uns zu erlösen. Und dass dieser Gottessohn und Menschensohn, dieser Jesus , dann schmählich scheitert, ans Kreuz geschlagen wird, getötet wird. Und dass dann von ihm erzählt wird, dass er auferstanden sei von den Toten und dass er lebt. Eine widersinnige Story. 

Wer soll daran glauben?

Welche Fantasie hat sich diese Geschichte ausgedacht ?

Ist das wirklich eine Fantasie, oder steckt da eine verborgene Wahrheit dahinter ? 

Wie können wir in dieses Geheimnis vorstoßen ? 

Was kann uns helfen dieses Mysterium zu ergründen, vielleicht doch zu verstehen, was da geschehen sein soll ? 

Das sind die Gedanken, die wir heute betrachten wollen.Wir wissen alle, dass an Jesus was dran ist, liebe Schwestern und Brüder und liebe Heiden. 

Das wissen sogar jene, die mit dem christlichen Glauben nichts am Hut haben.

Von Jesus geht eine ungeheure Faszination aus. 

Bei allem Mist ,den Christen auch gebaut haben, Jesus berührt Menschen und Christen wie Nichtchristen, auch in unserer Zeit.

Was kann dahinter stecken ?

Ist es wirklich nur die Faszination des Menschen Jesu, des Lebenden, oder steckt hinter dieser Faszination eine tiefe Erfahrung, eine Seins – Erfahrung, ein Spüren, dass da was dran ist, was da vom Ewigen kommt, sowie es in der christlichen Überlieferung behauptet wird ?

Wenn es nicht nur eine Story ist, dass Gott seinen Sohn auf diese Erde gesandt hat, was mag ihn bewogen haben das zu tun?

Wie können wir das verstehen, wie können wir es nachvollziehen ?

Es geht nicht darum, dass wir uns jetzt mit dem Verstand etwas zurecht legen, es geht darum, das Geheimnis zu ergründen, das Geheimnis der Menschwerdung Gottes.

Jesus hat uns den Gott des Himmels und der Erde, den Schöpfer des Alls geoffenbart, als unseren Vater.

Gehen wir mal davon aus, dass dieses stimmt und nicht nur eine Erzählung ist, ein Fakt ist, dann wird uns dargelegt, in welcher Beziehung dieser Gott zu uns Menschen steht. 

Er schuf uns, wie es in der Schrift heißt, nach seinem Ebenbild, ihm ähnlich. 

Gezeugt sind wir, nicht geschaffen. 

Gezeugt von Eltern, von menschlichen Eltern, aber auch gezeugt von Gott, vom lebendigen Gott. Von dem, der unser Vater sein soll.

Dann dieser Sündenfall.

Wir sehen es zu einfach, auch wenn wir meinen, es hat sich da nur um einen Verstoß gegen ein Gebot gehandelt. Den Verstoß gegen das Gebot, vom Baum der Erkenntnis keinen Apfel zu nehmen.

Es steckt viel mehr dahinter. Auch das sei wiederholt. 

Jene Versuchung, ausgedrückt durch die Schlange : „wenn ihr von diesem Baume essen werdet, dann werdet ihr sein wie Gott und ihr braucht Gott nicht mehr, ihr könnt euer eigenes Reich bauen.“

Diese Absonderung von Gott, diese Entscheidung das Reich ohne Gott zu bauen. Und Gott lässt uns ziehen, den Mensch. Der Mensch verlässt das Paradies und baut sein eigenes Reich auf. 

Das ist die Konsequenz der Freiheit. 

Wenn wir wirklich, wie die Schrift es behauptet, Söhne und Töchter Gottes sind, dann sind wir frei. Dann ist die Freiheit etwas Wesentliches, das uns auszeichnet. Dann sind alle Fragen daneben, die immer wieder gestellt werden, warum Gott dieses oder jenes zulassen könne. 

Er lässt uns frei, auch frei die Sünde zu tun, auch frei zu zerstören, zu vernichten, ja selbst Menschenleben zu vernichten. Eine furchtbare Konsequenz dieser Freiheit.

Aber in diese Konsequenz sind auch alle menschlichen Eltern hinein genommen. Auch sie müssen ihre Kinder frei geben. Sie können versuchen sie für den Weg der Liebe zu gewinnen, aber letztlich müssen wir die Kinder loslassen, jeden andern Menschen loslassen, auch und gerade den Menschen, den wir lieben, den eigenen Weg gehen lassen. 

Selbst wenn dieser Weg Absonderung heißt, Sünde heißt, Isolation und Vereinsamung bedeutet. 

Es ist ein Weg in die Ohnmacht, für Gott und auch für uns. 

So wie menschliche Eltern ohnmächtig sind, wenn ihre Kinder sich ihnen abwenden, so ist letztlich auch Gott ohnmächtig., wenn wir von ihm gehen und unseren eigenen Weg ohne ihn beschreiten. 

Es ist die Ohnmacht des Allmächtigen. 

Ein scheinbarer Widerspruch. Es ist eine Ohnmacht, die aus der Liebe kommt. Ein Verzicht, Gemeinschaft mit Gewalt herzustellen. Gott verzichtet darauf, gewaltsam sich an uns zu binden. Er achtet unsere Freiheit, auch wenn es die Freiheit ist die in die Zerstörung führt. 

Und er kennt nur einen Weg, dass ist der Weg uns wieder zu gewinnen. Nur so kann das Paradies wieder hergestellt werden. Nur so ist Himmel möglich, aus der Entscheidung dieser Freiheit der Grundlage der Entscheidung für die Liebe. Himmel entsteht nur dort wo Menschen lieben. Wo wir dies nicht tun ist Hölle.

Für diesen Liebesweg aber will Gott den Menschen gewinnen.

Er kann sie nicht gewaltsam in den Himmel holen, sonst würde der Himmel ein riesiges KZ werden. Er wär kein Himmel mehr, sondern die Hölle.

Das ist der Grund, liebe Leserinnen und Leser ( Hörerinnen und Hörer ) liebe Schwestern und Brüder, liebe Heiden, warum Gott diesen Weg beschritten hat, diesen Weg der Liebe, warum er seinen Sohn in unsere Welt gesandt hat.

Betrachten wir nochmal die Heilsgeschichte, die in der Bibel, der heiligen Schrift aufgezeichnet ist.

Es ist ein einziges ringen Gottes um den Menschen.

Ein Ringen, dass der Mensch der das Paradies verlassen hat, wieder heimkehrt zu Gott.

Propheten werden gesandt, die auf Gott verweisen. 

Das Volk Israel wird aus der Knechtschaft geführt, wenn es umkehrt. Immer wieder, nicht nur beim Auszug aus Ägypten, auch in der Wüste, auch in der ganzen biblischen Geschichte. Gott lässt sein Volk nicht allein, Gott lässt die Menschheit nicht allein. Er will, dass seine Kinder wieder zurück kehren. Doch er lässt sie auch los, er lässt sie auch in die Irre gehen, ins Verderben, weil er ihre, weil er unsere Freiheit achtet. Doch er geht uns immer wieder nach, wie der gute Hirte den verlorenen Schafen. 

Gott ringt um die Menschheit. Er zeigt Wege, Wege wie wir aus der Knechtschaft heraus kommen können. 

Ein solcher Weg sind z. B. die 10 Gebote, die oft so fälschlich als Verbote betrachtet werden. 

Es sind Gebote, liebe Freunde, Hinweise, wie wir dem Verderben entrinnen können, wie wir es vermeiden können. 

10 Tipps, wie der Mensch leben kann und nicht der Zerstörung anheim fällt. Nicht Fesseln, sondern Hinweise für die Freiheit. Nicht Vorschriften, sondern Tipps zum leben, wie wir den Weg zum Leben gehen können.

Diese Gebote sollen Hilfen sein, Hilfen für unser Leben. Hilfen eben, nicht dem Tod anheim zufallen, der Zerstörung. 

Doch was haben diese Gebote der Menschheit gebracht ? Wahrscheinlich insgesamt sehr viel, weil wer weiß wo die Menschheit ohne diese Gebote hingekommen wär. 

Gebote, die übrigens auch ganz tief in unserem Herzen, in unserer Seele verborgen sind.

Diese Gebote allein, haben die Welt nicht verändert, denn die Menschen haben sie vielfach bis heute noch nicht verstanden, als Vorschriften missdeutet, als Ketten, als Einschränkungen angesehen und nicht kapiert ,dass sie Hilfen für die Freiheit sind.

Der Mensch hat alles nicht kapiert, weil er Gott nicht kennt. Weil trotz Offenbarung durch die Propheten, die falschen Gottesbilder nicht zerstört worden sind.

Da geistert bis zum heutigen Tag noch das Bild vom strafenden Gott, vom Gott der vernichtet. Da ist bis in die heutigen Tage das Bild Gottes noch nicht offenbar geworden, dass Jesus Christus uns hat offenbar werden lassen.

Er zeigt wie Gott in Wirklichkeit ist.

Wer euch kennt kennt mich ?

Wer mich kennt, kennt den der mich gesandt hat.

Wer Jesus kennt, der kennt den lebendigen Gott, so behauptet er.

Doch warum hat dieser Gott seinen Sohn gesandt?

Einer der Gründe ist sicher, dass er will, dass sein Wesen offenbar wird. Dass wir wirklich dahinter kommen wie er ist, wie dieser Gott in Wirklichkeit ist. 

Dass wir ihn als den liebenden Gott erkennen, den Gott, der unser Vater ist, zu dem wir heim können, zu dem wir Papa sagen können. 

Es hat die Begegnung mit dem liebenden Jesu gebraucht, damit das verzerrte Gottesbild entzerrt wird und Gott deutlich wird, wie er in Wirklichkeit ist, damit wir ihn erkennen als unsern Vater.

Br. Jan Hermanns

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