Eine Gemeinde auf dem Weg

Das Unkraut im Anderen

Sind wir ehrlich, liebe Schwestern und Brüder,

uns ärgert das Unkraut, wenn wir es in andern Menschen entdecken. Wir ärgern uns über Menschen, die uns weh tun, über Menschen, die Groll gegen uns haben. Menschen, die uns missbrauchen, Menschen, die uns Unrecht tun. Seien wir ehrlich: Manchmal möchten wir den andern am liebsten beseitigen. Es ist uns ein Ärgernis, wenn im andern Menschen das Unkraut wuchert und wir mit diesem Unkraut konfrontiert sind. Es macht uns zu schaffen, das Unkraut auszuhalten. Wir klagen darüber, wie schlecht die Menschen doch sind. Dass keinem zu vertrauen ist, überall nur Unkraut, keine Perspektive, keine Hoffnung.

Wie sollen wir in einer solchen Welt leben, wo wir doch nur enttäuscht werden, wo uns doch nur Verletzungen zugefügt werden?

Der Feind ist gekommen und hat Unkraut unter den Weizen gesät. Es geht im Menschen nicht nur die gute Saat auf, sondern auch die schlechte Saat. Die Saat des Unkrauts, das der Feind in uns gesät hat.Saat von Egoismus, Hass, Angst, Bosheit, das Dunkle, das Schlechte. Das,was unser Leben so schwer macht, was uns soviel Not verursacht.Wir möchten am liebsten das Unkraut ausreißen, am liebsten die Menschen vertilgen lassen, die so voller Unkraut sind. Wir möchten nur im Weizen leben. 

Morde, insbesondere die Ermordung von Frauen und Kindern, sie lassen in uns die Wut kochen. Ganz besonders in jenen, die durch Angehörige betroffen sind. Es ist oft ein Schrei der Verzweiflung, eine unendliche Not.Wie kann der weiterleben, der das Schreckliche begangen hat, müsste er nicht heraus gerissen werden?In manchen tobt es: Todesstrafe, oder zumindest abschotten für immer, nie mehr raus, Aug um Aug, Zahn um Zahn.Jesus aber sagt : „ Liebe deine Feinde, tue Gutes denen, die dich hassen, bete für die, die dich verfolgen.“ 

Wir möchten, dass der, der Unrecht getan hat, dass er am liebsten vernichtet wird, ausgetilgt wird. Das Unkraut muss ausgerottet werden.Der große Weingärtner aber sagt : „Wartet bis zum Tag der Ernte, dann reißt das Unkraut raus“.Es ist für uns so schwer auszuhalten. Wir möchten alles gleich bereinigt haben, den ausgetilgt haben, der uns Ärgernis ist.„Wartet bis zum Tag der Ernte!“Es ist ein schwerer Weg, schwer, mit unserem Groll fertig zu werden gegenüber jenen, die uns Unrecht getan haben. Unsere Neigung ist es, ihn ganz aus unserem Gesichtskreis zu verbannen: Hinweg mit ihm!„Wartet bis zum Tag der Ernte“. 

Wenn Jesus das sagt, dann hat er die Menschen im Blick. Den, der gefallen ist, der sich versündigt hat. Und er sehnt sich danach, dass der Mensch, in dem das Unkraut durchgebrochen ist, am Tag der Ernte gereinigt und erneuert ist, dass er dann ganz Weizen ist.Das ist es,was Gott in ihn gelegt hat und nicht das, was der böse Feind in ihn eingepflanzt hat, der in der Nacht kam wie der Dieb.Jesus will auch die Reinigung des Mörders, des Vergewaltigers, des Diebes, des Kriminellen, des Gewalttäters. Er will die Reinigung und Erneuerung des bösen Nachbarn, des Chefs, der uns unterdrückt, der Menschen, die schlecht über uns reden, jene, die uns fallen gelassen haben, die mit uns gebrochen haben, jene, die Macht über uns ausüben, die uns beleidigen, die uns durch den Dreck ziehen.„Vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.“ 

Für alle ist Jesus gestorben am Kreuz. Er will, dass alle errettet werden, dass keiner verloren geht. 

Jesus will, dass das Unkraut im Menschen getilgt wird und der Weizen im Menschen wieder frei wird. 

Dass der Mensch der dunkel war, wieder hell wird, der, der tot war, wieder lebendiger wird. „Siehe dein Bruder war tot und er lebt“, sagt der Vater zum Bruder des verlorenen Sohnes. Freue dich, wenn der, der der tot war, wieder lebt.Es geht nicht um Rache und Vergeltung, sondern um Versöhnung.

Jesus ist gekommen, damit alle errettet werden, damit keiner verloren geht, auch nicht der, über den du dich ärgerst, den du verachtest, den du am liebsten vernichten würdest. Der Erlöser ist auch für ihn gestorben und will, dass auch er lebt. Er will, dass jeder seine Zeit bekommt, die er braucht, auch der Mörder. 

Unkraut und Weizen, sie sind in mir und sie sind im anderen, wir sitzen im gleichen Boot.Niemand braucht auf den andern zu zeigen, keiner ist wirklich gut, nur einer ist gut, Jesus der Herr, Gott selbst.In uns Menschen, in allen, ist auch die Saat des Bösen.Jesus ist nicht gekommen um zu richten, sondern um zu retten. Er will, dass wir alle frei werden.Ich, egal wie tief ich mich versündigt habe und auch der andere, egal, was er gemacht hat. 

Keine Schuld des Menschen ist so groß, dass die Liebe Gottes nicht noch größer wäre. 

Br. Jan Hermanns

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